Rotarische Unterstützung in der Coronazeit

laugardagur, 23. janúar 2021

Die Mitglieder des Rotary Club Am Greifensee zeigten in der Coronavirus-Pandemie ihre Solidarität mit Kulturschaffenden. Sie spendeten mehr als 11'000 Franken für Künstler aus der Region.

Text: Thomas Ackermann

Im letzten Frühjahr musste auch der Rotary Club Am Greifensee auf seine wöchentlichen Treffen verzichten. In einer freiwilligen Sammelaktion wurden die Mitglieder aufgerufen, einen Teil des durch die ausgefallenen Zusammenkünfte gesparten Geldes für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden. Dies als Ergänzung zu den jährlich entrichteten Vergabungen der clubeigenen gemeinnützigen Stiftung. Mit dem Aufruf kamen in kurzer Zeit 11'000 Franken zusammen. Der Club entschied, dieses Geld Kulturschaffenden zur Verfügung zu stellen. Neben der innovativen Jugend Marching Band showband.CH, in der auch Zürcher Oberländer Musikerinnen und Musiker aktiv mitspielen, wurden Ustemer Kulturschaffende unterstützt.

Vergabungen in Zusammenarbeit mit der Musikschule Uster Greifensee
Die Auswahl der unterstützten Kunstschaffenden erfolgte zusammen mit der Musikschule Uster Greifensee. Ekkehard Sassenhausen, Hauptschulleiter der Musikschule, war erfreut über die Aktion des Rotary Clubs. «Kulturschaffende leiden wie viele andere Menschen finanziell unter der Coronakrise, da hilft jeder Zustupf.» Der Präsident des RC Am Greifensee betonte daher auch, dass man sich der Limiten der Unterstützung durchaus bewusst war und dass es unzählige Beispiele an Projekten und Künstlern gibt. «Wir haben uns für zwei Künstler entscheiden und bewusst auf eine Verteilung im Giesskannen-Prinzip oder an Institutionen verzichtet», sagt Thomas Pedrazzoli, «damit soll erreicht werden, dass der Unterstützungsbeitrag direkt bei von der Krise betroffenen Menschen ankommt.»

v.l.n.r.: Lukas Roth und Marcel Ricklin

Künstler aus Theater und Musik
Anlässlich eines coronakonformen Treffens im kleinen Kreis wurden in der Musikschule Uster Greifensee den beiden Künstlern Lukas Roth und Marcel Ricklin durch Thomas Pedrazzoli und Jean-Jacques Gueissaz symbolisch die Checks übergeben. Lukas Roth, freischaffender Theaterproduzent aus Riedikon, durfte den Betrag von 2'200 Franken in Empfang nehmen. Inspiriert von der Idee des Rotary Clubs rundete der Jahrgängerverein JGVA4655 aus Uster den Betrag noch mit 800 Franken auf. Roth ist froh um die Unterstützung der beiden Vereine, da sich die Situation für Theaterschaffende laufend verschlechtert hatte. «Während des ersten Lockdowns im letzten Frühjahr durften wir zahlreiche Gagen von kurzfristig abgesagten Veranstaltungen behalten, sodass wir einigermassen über die Runden kamen.» Aufgrund der langanhaltenden Planungsunsicherheit sind die Veranstaltungen weggebrochen. «Kaum jemand traut sich im Moment, eine Veranstaltung zu planen, weil das finanzielle Risiko nicht abzuschätzen ist.» Die Unterstützung des Rotary Clubs und des Jahrgängervereins kommt somit zum richtigen Zeitpunkt. Froh ist er auch über die Erwerbsausfallentschädigung für Kulturschaffende, die zumindest einen Teil des Schadens kompensiert. Für die Zukunft ist Lukas Roth dennoch zuversichtlich, auch wenn die Herausforderungen für die Theaterszene gross sind. «In der Regel zeigen sich in der freien Theaterszene die Auswirkungen einer Krise mit zeitlicher Verzögerung. Wir sind aber vielseitig und gerade im Figurentheater für erwachsenes Publikum spüre ich ein zunehmendes Interesse.»

Den zweiten Check in der Höhe von 4'000 Franken durfte Marcel Ricklin aus Uster entgegennehmen. Der Vater von zwei kleinen Kindern unterrichtet in einem Teilzeitpensum Gitarre an der Musikschule. Daneben verdient er seinen Lebensunterhalt als Musiker in Bands und Projektformationen. In diesem Bereich herrscht seit dem Ausbruch der Coronakrise Funkstille. «Auftritte an Anlässen oder Galas sind komplett weggebrochen. Damit fehlt ein wichtiger Teil meines Einkommens. Immerhin wird durch die SVA-Taggelder ein Teil davon überbrückt.» Zu einem besonders schlechten Zeitpunkt kam die Coronavirus-Pandemie für die Band «Christopher George», in der Ricklin mitspielt. Die Band hatte für 2020 eine neue CD-Produktion und Tournee geplant. «Wir waren bereit für Plattentaufe und Gigs. Zuerst mussten wir alles in den November verschieben, nun haben wir es ganz abgesagt.» Das schmerzt umso mehr, da die Band alles fertig produziert hat und nun auf dem Material sitzt. «Neben dem finanziellen Schaden fehlt uns Musikern halt auch die Ausübung unseres Berufs. Wir stehen normalerweise auf der Bühne, leben für unsere musikalische Leidenschaft und geniessen den Kontakt mit den Menschen. Das fehlt.»

Solidarität und Zusammenhalt wichtiger denn je
Mit der Aktion drückt der Rotary Club Am Greifensee seine Verbundenheit mit Menschen aus, die von der Coronavirus-Pandemie existenziell betroffen sind. «Es ist ein kleines Zeichen der Solidarität und wir hoffen natürlich, dass unsere Aktion andere Institutionen und Clubs inspiriert. Zusammenhalt in der Gesellschaft ist besonders wichtig in Krisenzeiten», erklärt Pedrazzoli. Gemeinnützige Arbeit und die Unterstützung von Menschen in Not ist ein wichtiger rotarischer Grundsatz. So verfügt der Rotary Club Am Greifensee über eine vereinseigene Stiftung, die jedes Jahr Projekte in der Region, in der Schweiz und im Ausland unterstützt.


V.l.n.r. Thomas Pedrazzoli (RC Am Greifensee), Lukas Roth, Marcel Ricklin, Jean-Jacques Gueissaz (RC Am Greifensee)