Was uns fröhliche Gelassenheit im Parkplatzstress lehrt

dimanche 7 mai 2023

DG Daniel Marbot

Eine rotarische Freundin hat mir kürzlich von der Parkplatzsituation in ihrem Quartier der Stadt Zürich berichtet. Manchmal sei da richtig etwas los und es werde immer schlimmer! Besonders am Abend, wenn Menschen von der Arbeit nach Hause kommen und keinen Parkplatz finden. Dabei parken einige ihre Autos so geschickt, dass zwei Parkfelder blockiert sind, es wird – manchmal beinahe handgreiflich – um freiwerdende Parkplätze gestritten, es wird gedrängelt, gehupt, und im Sommer ist durch die offenen Fensterscheiben ab und an das «Schimpfen» der genervten Automobilisten zu hören. Es komme sogar vor, dass sie vor dem Feierabend am Arbeitsplatz schon gestresst an die Parkplatzsuche zu Hause denke.

Ich lebe glücklicherweise auf dem Land, da gibt es immer genug Parkplätze und man hat etwas mehr freien Raum. Ich fahre nur noch selten mit dem Auto in die Stadt, denn ich weiss, «Parkplatz-Stress» tut mir nicht gut und dieser kommt in dicht besiedeltem Gebiet eigentlich immer vor. Dann verflüchtigt sich meine Gelassenheit und auch bei mir liegen die Nerven blank. Meistens finde ich ausgerechnet dann keinen Parkplatz, wenn ich es besonders eilig habe. Dabei ist mir bewusst: Stress und Aktivismus nützt wenig bis überhaupt nichts, denn damit gibt’s nicht mehr Parkplätze. Vielleicht wäre es hilfreicher vor den Toren zur Stadt eine Anlieferzone zu bauen, wo ich die Lieferungen für die Menschen der Stadt deponieren und die Feinverteilung direkt durch die Städter übernommen wird, wahlweise auch gerne mit Lastenfahrräder?

Ich habe mir überlegt: Besser geht es mir, wenn ich mir ein paar «Parkplatztugenden» ausdenke, und die dann mit fröhlicher Gelassenheit befolge. Da wäre zuerst einmal die Tugend «Geduld». Ich will einfach in Ruhe suchen und abwarten, bis ich einen Parkplatz finde. Denn durch Hetzen mit erhöhtem Puls wird normalerweise kein Parkplatz schneller frei. Dann geht es um die Tugend «Grosszügigkeit». Ich will nicht drängeln, und ich will dem Automobilisten vor mir seinen Parkplatz gönnen, den ich auch gerne bekommen hätte. Hinzu kommt noch die Tugend «Hilfsbereitschaft». Wenn ich sehe, der genervte Autofahrer hinter mir sucht ebenso dringend seinen Parkplatz, könnte ich ihm ja den nächsten freien Platz überlassen. Mit etwas «fröhlicher Gelassenheit» finde ich bestimmt zwei Minuten später auch meinen Parkplatz. Ich bin mir sicher: Wenn das viele tun, geht es auf unseren Strassen viel freundlicher und gelassener zu. Und noch eine Tugend ist mir wichtig: Ich will schauen, ob ich überhaupt ein Auto für meinen Weg brauche. Wenn ich zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hinkomme, brauche ich gar keinen Parkplatz. Ich nenne diese Tugend: «Bescheidenheit».

Wenn ich all das befolge, bleibt mir hoffentlich so mancher Parkplatz-Stress erspart. Und wenn ich es mir recht überlege: Geduld, Grosszügigkeit, Hilfsbereitschaft und fröhliche Gelassenheit sind Tugenden, die mir nicht nur bei der Parkplatzsuche weiterhelfen können! Und am Wochenende, wenn die Städter zu uns in die Natur strömen, dann wünsche ich mir auch etwas mehr Geduld und gegenseitiges Verständnis.

DG Daniel Marbot plädiert für fröhliche Gelassenheit im Parkplatzstress - und ganz allgemein im Leben.