ICC Schweiz/Liechtenstein: Rumänien/Moldawien – Interview mit Daniel Hauri

Montag, 1. August 2022

Janine Keller

Was ist ein Inter-Country Committee bei Rotary (ICC)? Selbst als Rotarierin oder Rotarier hat man sich diese Frage vielleicht bereits einmal gestellt. Daniel Hauri, Präsident des ICC Schweiz/Liechtenstein – Rumänien/Moldawien erklärt im nachfolgenden Interview, welchen Zweck ein ICC erfüllt und inwiefern sich sein ICC aktuell für die ukrainischen Flüchtlinge engagiert.

Daniel, erkläre uns doch zuerst, was ein ICC, also Intercountry Committee, bei Rotary überhaupt ist.

Ein ICC ist ein «Länderausschuss», dessen Ziel es ist, das Verständnis zwischen beispielsweise der Schweiz und dem Partnerland zu fördern. Wie die ICCs dies umsetzen, ist ihnen grösstenteils selbst überlassen. Einige ICCs organisieren beispielsweise jährliche Freundschafts-Treffen oder Besichtigungen.

Wir vom ICC Schweiz/FL – Rumänien/Moldawien treffen uns ein bis zwei Mal pro Halbjahr zum gegenseitigen Gedankenaustausch und Absprache betreffend den aktuellen Projekten – und dann gibt’s ein Mittagessen, wo wir uns gegenseitig über «unsere» Länder informieren. Alle zwei Jahre organisieren wir zudem eine Reise an sehr besondere Orte in Rumänien oder Moldawien. Eigentlich sind es Studienreisen, da wir uns verschiedene ausgesuchte Besonderheiten aus Kunst, Politik, Handwerk, Kultur, Musik, Weinbau etc. ansehen und mit den Menschen sprechen, die dort leben, um einen vertieften Einblick ins Land zu erhalten. Dabei bieten wir Einblicke und Erfahrungen aufgrund unserer privaten Kontakte, wo andere Leute nicht hinkommen. Die nächste Reise findet im Jahr 2024 statt. 

Rot. Daniel Hauri

Wir pflegen ausserdem enge Kontakte zur Schweizer Botschaft in Rumänien und der rumänischen Botschaft in der Schweiz. Einmal pro Jahr laden wir die Botschafter zu einem Gespräch ein. Sie sind immer sehr interessiert an unseren Projekten und helfen uns auch bei Bedarf tatkräftig. Sie finden gut, was wir im Sinne der länderübergreifenden Verständigung machen und bewirken, denn die Botschaften verfolgen ja im weitesten Sinne ähnliche Ziele wie ein ICC.

Weshalb betätigen sich Rotarierinnen und Rotarier bei einem ICC und wie wird man Mitglied?

Es gibt bei uns weder klassische Mitglieder noch eine organisierte Struktur. Die meisten Personen, die sich bei einem ICC betätigen, interessieren sich für das Partnerland oder haben eine persönliche Verbindung dazu. Ich bin zum Beispiel seit 20 Jahren beruflich auch in Rumänien tätig und finde es ein grossartiges und höchst interessantes Land!

An der bereits erwähnten Studienreise unseres ICC nehmen oft Personen teil, die das Land noch nie bereist haben oder kommen wieder mit, weil die letzte Reise so spannend war – diese Personen sind nicht zwangsläufig auch im ICC engagiert. Auf der Busfahrt in Rumänien verbringe ich dann meist die erste Viertelstunde damit, erst einmal zu erklären, wer wir als ICC sind und was der Zweck der Reise ist (lacht).

Eigentlich sind wir klassisch rotarisch, da es bei Rotary immer ein paar Leute braucht, die etwas Spezielles machen wollen für einen sinnvollen Zweck - und dann funktioniert’s mit gemeinsamer Hilfe!

Der Rotary Club in Cahul hat mit der ICC-Hilfe Nahrungsmittel besorgt und an die Flüchtlinge im «Crisis Center» verteilt.

Über das ICC Schweiz / FL – Rumänien / Moldawien wurde kürzlich eine Spende von 5.000 Euro an den Rotary Club in Cahul, Gagausia (Moldawien) getätigt. Kannst du uns davon berichten?

Zuerst muss ich sagen, dass das Sammeln von Spenden für die Ukraine eigentlich nicht zu den Aufgaben eines ICC gehört, sondern wie bereits erwähnt, die Förderung des Verständnisses für andere Länder. Weil aber der Ukraine-Krieg mit den vielen Flüchtlingen unsere ICC-Länder Rumänien und Moldawien betrifft, haben wir uns im Vorstand entschlossen, auch selber tätig zu werden und einen Hilfsfonds zu schaffen. Wir haben rotarische Stiftungen angefragt und unsere Mitglieder im Vorstand des ICC haben in ihren Clubs unsere Vorgehensweise erklärt und so ist die Summe von 40'000 Franken zusammengekommen. Darauf sind wir sehr stolz!

Wie verwenden wir die Spenden? Wir wollen nicht in einen grossen Topf einzahlen und wir wollen keine internationalen Hilfswerke unterstützen, obwohl es letztere natürlich auch braucht. Wir haben den Vorteil, direkte Verbindungen und persönliche Kontakte in den Ländern Rumänien und Moldawien zu haben, die uns garantieren, dass das Geld an den beabsichtigten Orten auch wirklich ankommt.  

Und: Wir wollen kein Geld verteilen. Wir wollen, dass vor Ort geholfen wird und diese Hilfe vergüten wir dann, nachdem wir die Belege wie Rechnungen, Fotos, Berichte etc. erhalten haben. Diese gezielte Vorgehensweise ist auch für die Spenderinnen und Spender sehr wichtig.

Nehmen wir die 5.000 Euro, die vom Rotary Club St.Gallen Freudenberg und dem Rotary Club Baden à je 2.5000 Euro gespendet wurden, als Beispiel: Sie wurden für Nahrungsmittel, Güter des täglichen Bedarfs aber auch für die Einrichtung von Schlafstellen bei Privatpersonen und privaten Hilfsorganisationen verwendet. Die Waren wurden vor Ort gekauft, was uns wichtig ist. Wir erkundigen uns immer bei unseren Kontaktpersonen über die getätigten Einkäufe und die Herkunft und Verwendung der Spenden und erhalten dafür Fotos und Belege.

Es werden also vor allem Nahrungsmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs in Moldawien benötigt?

Ja, genau. Die Regierung und Privatpersonen stellen Unterkünfte zur Verfügung, die Infrastruktur ist vorhanden. Alles andere ist hauptsächlich von Spenden abhängig. Die Leute im Land haben sowieso sehr wenig Geld und die Inflation ist enorm. Da können wir direkte Hilfe leisten für diejenigen, die helfen.

Die Kontaktpersonen des ICC vor Ort packen selbst an und zeigen mit ihrer Präsenz, was Rotary bewirken kann.

Wie sieht die Zusammenarbeit des ICC und der Clubs vor Ort konkret aus?

Plötzlich «viel Geld» ist in Südosteuropa nicht unproblematisch. Die Korruption ist nur schwer zu bekämpfen und viele denken, dass sie sich mit dem Geld bereichern können. Deshalb klären wir immer zuerst die Bedürfnisse ab. Wer macht was, wo und wie? Denjenigen, die helfen, denen vergüten wir die Kosten. Aber nicht umgekehrt. In Moldawien und Rumänien haben die Menschen ein sehr tiefes Arbeitseinkommen. Trotzdem helfen sie enorm viel und sind grosszügig. Diese Menschen wollen wir mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Gütern des täglichen Gebrauchs unterstützen. Die Rotary Clubs oder Menschen vor Ort kümmern sich darum, dass die Hilfe auf diese Art zustande kommt und an die richtigen Personen gelangt. Und sie machen das hervorragend.

Lieber Daniel, herzlichen Dank für das Gespräch!

Spendeninformationen

Möchten Sie das ICC bei seiner Hilfe für die Ukraine unterstützen? Für Spenden können Sie die folgenden Kontoangaben verwenden:

Konto ICC: OK Länderausschuss Rumänien, CH St. Gallen
IBAN: CH77 0900 0000 9014 6913 3
Vermerk: Spende für Flüchtlinge aus der Ukraine